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"Ontologie der Stadt oder die Weltmaschine: Daseinsformen und dystopische Wirklichkeitsmilieus der urbanen Moderne
Die ontologische Krise der Stadt besteht gerade nicht, wie die allgemeine Modernismuskritik es verkündet, in einer defizitären Ästhetik der architektonischen Bauform, sondern vielmehr in einem tieferliegenden ontologischen Mismatch zwischen einem unüberwindbaren, aber zugleich unvermeidbaren Weltgestell einerseits und einem funktional entmündigten Städter andererseits, der am selbstbestimmten Konsum der für ihn bereitgestellten Wirklichkeitsware scheitert. Zurück bleibt eine dystopische Weltform, in der sich Stadt und Städter als zwei sich voneinander abwendende Daseins-Partner begegnen, die sich viel zu sagen hätten, aber kaum miteinander ins Gespräch kommen. Nicht zurückzuschrecken vor diesen dystopischen Grundstimmungen einer urbanen Weltform, sondern auch ihre dysfunktionalen und oft depressiven Dimensionen aufzuspüren und auszustellen, ist der ausgemachte Arbeitsauftrag dieses Textes. Was sind die eigentlichen raum-ontologischen Strukturen der urbanen Moderne? Wie macht die städtische Normalwelt uns zu dem, was wir sind? Und zu was macht sie uns? Worin besteht das eigentliche ontologische Projekt, an dem die urbane Gesellschaft arbeitet und wie sehen die finalen Welt- und Daseinsarenen aus, auf die sie hinsteuert? Oder in kurz: Was sind die Dimensionen einer weltlosen oder ent-weltlichten letzten Wirklichkeit bzw. die Welt- und Existenzformen eines letzten Menschen? Das sind die Fragen, denen hier nachgegangen wird.
Keywords: Stadtsoziologie · Alltagsforschung · Architektursoziologie · Anthropologie · Qualitative Sozialforschung · Urban Studies · Kulturwissenschaften · ethnografische Stadtforschung · Soziologie der Lebenswelt · Organisationssoziologie · Raumsoziologie

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Die Surreale Stadt:
Sie, die Stadt, ist der Inbegriff einer mythenbefreiten Neuzeit. Sie besitzt aber gleichzeitig das Potenzial, als Manifestation einer baulichen und lebens- weltlichen Irrationalität zu fungieren, welche dem Programm einer rationalen Moderne erfolgreich in den Rücken fällt. Sie ist Ausdruck des Konkreten sowie Gestalt des Imaginären und besitzt daher eine dualistische Ambivalenz, die Stein und Mythos sowie institutionelle Hinterbühnen und romantische Praktiken des Ich auf eine gemeinsame Fläche stellt.
Wer sich der Stadt widmet, blickt daher nicht nur in den Hauptaufenthalts- raum des menschlichen Daseins. Sondern er widmet sich zugleich einer symbolischen Arena, die sich in ein lebensweltliches Vorne sowie in ein institu- tionelles und osmotisch abgeriegeltes Hinten aufspaltet. Aus diesen Barrieren und institutionellen Raumgrenzen sowie aus der Figurationen von Mythos und Sachlichkeit, die sich im immersiven Raumcontainer der urbanen Lebenswelt einstellen, ergibt sich eine surreale Lebenswelt, für die der moderne Städter autodidaktische Umgangsformen entwickeln muss, die uns hier interessieren werden.
Der Text widmet sich daher vor allem den semiotischen Untiefen, welche die Anwesenheiten institutioneller Hinterbühnenakteure in der Stadt zurücklassen. Durch sie präsentiert sich die Stadt als ein technisches Gestell , das dem urbanen Ich jeden Zugang zu den Steuerbühnen verweigert, aber ihm gleich- zeitig ein gesteuertes und sorgetragendes Innen gewährt. Die Analyse dieser ungewöhnlichen Schicksalsgemeinschaft, die sich zwischen dem urbanen Ich und den überindividuellen Akteuren institutioneller Hinterbühnen einstellt, kann jedoch nur durch eine Entzifferung jener traumhaft hingesäten Bilder gelingen, die in Form autopoetischer Wirklichkeiten die städtische Lebenswelt von innen her bestuhlen. Diese Bilder aufzuspüren und exemplarisch auszu- stellen, ist das ausgemachte Programm dieses Textes.
Hardcover: 696 Seiten und über 80 Abbildungen:
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